Ortsteil Schwartenpohl der Gemeinde Wietmarschen

 
Schwartenpohl mit seinen heutigen ca. 210 Einwohnern ist im Jahre 1764, ein Jahr nach Beendigung des Siebenjährigen Krieges, auf dem Gebiet der "Gemeinheit" Dalum gegründet worden. Das Gelände des heutigen Ortsteils Schwartenpohl war damals das gemeinsame Eigentum der Bauern (Markenberechtigten) von Dalum. Die ersten Siedler erwartete hier in der Randzone des Hochmoores eine zweifach schwere Aufgabe:
 
 
 

 
  • das Besiedeln und Kultivieren der sich hier auslaufenden Sandzunge ("Tangensand"),
  • darüber hinaus das ungleich schwerere Bezwingen der sumpfigen Wildnis, dieses Vorfeldes des Hochmoores, bestehend aus Sümpfen, Morästen und Blänken

 


 

Eine heute noch merklich hervorstehende Anhöhe (Kreuzung Wietmarscher Damm - Nord-Südstraße), wurde durch vier siedlungswillige Männer zur Urzelle Schwartenpohls. Auf dieser Anhöhe befand sich bis 1953 ein etwa 100 x 50 m großes Sumpfloch, das seines morastigen Wassers wegen der "schwarte Pohl" genannt wurde. Daher heißt die trockene Erhebung in den Urkunden "die Anhöhe beim schwarten Pohl". Schwartenpohl erhielt somit seinen Namen.

 

Die "Kolonie Schwartenpohl" erhielt 1910 den Status einer eigenen politischen Gemeinde. Seit 1850 hatte Schwartenpohl aus 10 einzelnen Gebietsteilen (Enklaven), nämlich den höhergelegenen Kämpen, bestanden, die ohne einen Zusammenhang wie Inseln in der Dalumer Mark lagen.

 

 

Nachdem die Mitglieder der politischen Gemeinde Dalum am 29.08.1909 beschlossen hatten, dass Flächen in einer Größe von 171 ha "aus dem Verbande der politischen Gemeinde Dalum ausscheiden und unentgeltlich demjenigen der politischen Gemeinde Schwartenpohl zugelegt werden", wuchsen die 10 Enklaven zu einem geschlossenen Gemeindegebiet von 320 ha zusammen.

 

1912 konnte auch die seit langem erbetene Umpfarrung von Groß-Hesepe nach Wietmarschen zur Freude aller Siedler durchgeführt werden. Im Jahre 1922 erhielt die Gemeinde ein eigenes Standesamt. Das selbständige Gemeinwesen strebte nun nach einer eigenen Schule als einem kulturellen Mittelpunkt. Dieser Plan wurde nach dem 1. Weltkrieg im Jahre 1925 verwirklicht.

 

Alte Schule Schwartenpohl

 

Durch eine weitere Markenteilung vergrößerte sich die Gemeinde Schwartenpohl nach Norden um das "Untermoor", das "Hochmoor" und "die 30 Hektar" und nach Süden um "Das Feld". Das Gebiet betrug nunmehr 683 ha.

 

Im Jahre 1934 erfolgte die Umgliederung vom Kreis Meppen in den Kreis Lingen. Infolge dieser Umgliederung vergrößerte sich die Gemeindefläche um weitere 38 ha, so dass sie heute 721 ha beträgt.

 

Am 01.03.1974 wurden im Landkreis Grafschaft Bentheim und im Landkreis Lingen die Gemeinden neu geordnet. Schwartenpohl wurde der "Einheitsgemeinde" Wietmarschen, die Gemeinde Wietmarschen als solche dem Kreis Lingen zugeordnet. Damit endete nach nur 64 Jahren die Selbständigkeit Schwartenpohls. Als am 01.08.1977 der neue Landkreis Emsland, bestehend aus den bisherigen Kreisen Aschendorf-Hümmling, Meppen und Lingen, geschaffen wurde, ging die Gemeinde Wietmarschen nach nur dreijähriger Zugehörigkeit zum Kreis Lingen an den Kreis Grafschaft Bentheim.

 

In den letzten 25 Jahren hat sich bei den bäuerlichen Betrieben viel geändert. Einige Betriebe haben sich spezialisiert, einige haben Land dazugepachtet, die meisten leben von Nebeneinkünften. Eines fällt dem Besucher Schwartenpohls auf: Fast überall sind schöne neue Wohnhäuser entstanden.

 

 

Alte Schule Schwartenpohl, jetzt Wohnhaus Over

 

 

 

 

Die Geschichte Schwartenpohls, einer Moorrandsiedlung, ist nicht zu verstehen, wenn die Vorgeschichte außer acht gelassen wird. Das Moor war Voraussetzung für die Gründung Schwartenpohls. Heute hat kaum noch jemand in Schwartenpohl einen näheren Bezug zum Moor. Man kann sich über das Bourtanger Moor, an dessen Südrand Schwartenpohl gegründet wurde, ein gutes Bild im Emsland-Moormuseum in Groß-Hesepe machen.

 

Altes Heuerhaus in Schwartenpohl

 

 

Heute wird überlegt, wie man Moore im ursprünglichen Zustand wiederherstellen und erhalten kann, damit u.a. einmalige Pflanzen- und Tierarten erhalten bleiben.

 

 

 

 

Wenn die Emslandautobahn durch den östlichen Teil Schwartenpohls führt, wird der Anschluß an das Fernstraßennetz zum Abschluß gekommen sein. Dann wird man schnell an die Nordsee oder ins Ruhrgebiet fahren können.


 
 

 
 
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