Der Tagesablauf im Kindergarten
Die Kinder verbringen einen großen Teil des Tages im Kindergarten, deshalb ist es wichtig, ihnen durch klare Strukturen und wiederkehrende Abläufe Sicherheit zu geben, damit sie sich schnell im Kindergarten heimisch und wohl fühlen können.
Die einzelnen Phasen des Kindergartenvormittages werden im Folgenden beschrieben und erläutert.
1. Begrüßung
Um jedem Kind zu zeigen,
dass es willkommen ist und ein wichtiges Mitglied seiner Gruppe, ist uns die
persönliche Begrüßung am Morgen sehr wichtig.
2. Morgenkreis
Wenn alle Kinder eingetroffen sind, versammelt sich die Gruppe zum Morgenkreis.
Die Kinder erfahren Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit in der Gruppe.
Jedes Kind sieht das andere, nimmt es wahr und fühlt sich zugehörig.
Ein wichtiger Aspekt des Treffens am Morgen ist es, mit den Kindern zu besprechen, wie der kommende Tag verlaufen wird. Diese Absprache gibt den Kindern die Möglichkeit zum Mitentscheiden und sie erlangen Sicherheit dadurch, dass jeder gut Bescheid weiss.
Der Morgenkreis beinhaltet außerdem immer verschiedene Aktivitäten wie Geschichten, Lieder, Fingerspiele, Gespräche und die Unterweisung neuer Spiele und Materialien.
3. Freispiel
Freispiel - was ist das?
Wir Erwachsenen haben - hoffentlich - immer wieder einmal Zeit für Dinge,
die wir gerne tun: Zeitung lesen, Musik hören, spazieren gehen, mit Freunden
Karten spielen...
Sie können hier alles einsetzen, was Ihnen Freunde macht oder wozu Sie
sich aus Interesse oder aus freien Stücken verpflichtet haben.
In dieser "freien Zeit" können Sie einem Teil Ihrer Bedürfnisse
nachgeben und einfach Sie selbst sein.
Freude am eigenen Tun, Interesse an neuen Dingen oder Spaß an Bewegung
und am Umgang mit anderen Menschen prägen diese entspannten Zeiträume.
Dasselbe brauchen unsere Kinder - je jünger, umso mehr.
Was hier zunächst für uns Erwachsenen beschrieben wurde, entspricht
dem Freispiel im Kindergarten.
Die Grundvoraussetzung für ein sinnvolles Freispiel ist die Aufteilung
des Gruppenraumes in einzelne Spielbereiche; beispielsweise: Konstruktionsplatz,
Puppenwohnung, Maltisch, Bilderbuch- und Frühstücksplatz, Handarbeitsplatz
und Basteltisch.
In dieser vorbereiteten Umgebung können die Kinder unter dem Material-
und Spielangebot wählen, zwischen Einzelspiel oder dem Spiel mit anderen
und sie bestimmen selbst die Dauer ihres jeweiligen Spiels. Das Angebot im Gruppenraum
wird entsprechend den Bedürfnissen der Kinder immer wieder neu und anders
gestaltet, um den Kindern viele Möglichkeiten zum Ausprobieren und Erfahren
zu eröffnen.
Das tägliche Frühstück
ist ein wesentlicher Bestandteil der Freispielzeit.
Im Gruppenraum ist ein Tisch gedeckt und vorbereitet, der zur gemütlichen
Frühstücksrunde einlädt. Die Kinder können sich den Zeitpunkt
und ihre Tischgemeinschaft selbst auswählen. Nach dem Frühstück
spülen sie selbst ihr Geschirr und stellen es für das nächste
Kind wieder bereit.
Nur an besonderen Tagen, wie zum Beispiel Geburtstagen oder anderen Festen frühstücken
alle Kinder der Gruppe gemeinsam.
Während der Freispielzeit steht den Kindern nicht nur der Gruppenraum ,
sondern auch die Halle, der Bewegungsraum und die Spielwiese zur Verfügung.
Die Halle wird für verschiedene Beschäftigungen genutzt. Sie
bietet den Kindern Raum für Spiele mit größerem Platzaufwand.
Hier finden die Kinder Angebote, die nicht einer einzelnen Gruppe vorbehalten
sind, sondern allen Gruppen offen stehen. Somit können die Kinder Kontakte
zu Kindern aus anderen Gruppen knüpfen, z. B. beim Bauen mit großen
Legosteinen oder im Rollenspiel.
4. Bewegung
Der Bewegungsraum bietet den Kindern in der Freispielzeit in besonderer
Weise Gelegenheit, ihrem Bewegungsdrang nachzukommen und in vielfältiger
Weise kreativ zu werden.
Ein Bällebad, Hängematte, Sprossenwand, große Schaumstoffelemente,
Wackelbrett, Decken, Bretter, LKW-Schläuche ... stehen den Kindern zur
Verfügung. Das selbständige und phantasievolle Umgehen mit den Materialien
macht den Kindern großen Spaß und ermöglicht immer neue Bewegungsexperimente.
Unser großes Außengelände, die Spielwiese, mit ihren Bäumen, Wällen, Hügeln und Spielgeräten lädt die Kinder ein zum Toben, Verstecken, Klettern, Laufen, Rutschen, Balancieren und zu Rollenspielen. Weitere Spielmöglichkeiten bieten das Fußballtor, Sandspielzeuge, Bälle, Seile, Fahrzeuge und ähnliches.
Wöchentlich finden zwei geplante
Bewegungsangebote im Kindergarten statt: der Bewegungsraumes wird von jeder
Gruppe einmal genutzt und wir bieten im Rhythmikraum ein Bewegungs- oder Rhythmikangebot
in Kleingruppen an.
Jeder Gruppe steht zu bestimmten Zeiten die Turnhalle der Grundschule zur Verfügung.
Dies wird nach Bedarf und Gruppensituation genutzt. Dort stehen Großgeräte
und viel Platz für vielfältige Bewegungseinheiten zur Verfügung.
Angeleitete Kleingruppenarbeit während der Freispielzeit bietet den Kindern die Möglichkeit, an Entspannungsübungen, religionspädagogischen Einheiten, Bilderbuchbetrachtungen, hauswirtschaftlichen Tätigkeiten oder Bastelangeboten teilzunehmen und auch im Rahmen eines Projektes an einem interessanten Thema zu arbeiten.
5. Beobachtung im Freispiel
Jedes Kind ist anders und seine Bedürfnisse hängen z. B. davon ab,
wie alt es ist, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist, welchen Familienhintergrund
es hat...
Wie also bekommen wir im Kindergarten jedes Kind in den Blick? Wie finden wir
heraus, was sie interessiert, was sie gerne tun, worunter sie leiden, was sie
uns mit ihren vielfältigen Ausdrucksformen sagen wollen?
Antworten auf diese Fragen können wir nur durch aufmerksame Beobachtung
erhalten, die besonders in der Freispielzeit einen hohen Stellenwert in unserer
Arbeit einnimmt. Aufmerksame Beobachtung meint ein interessiertes Hinhören
und Hinsehen und sich für ihre Themen, Fragen und Probleme zu interessieren.
Systematische Beobachtung verhilft uns dazu, eine einfühlsame und das Kind
stärkende Beziehung aufzubauen und ein Gespür für seinen ganz
eigenen Entwicklungsweg zu bekommen.
Dieses wahrzunehmen ist eine ganz wichtige Voraussetzung dafür, solche
Anregungen für das Kind zu gestalten, die es ansprechen und weiterbringen
und den Kindern solche Herausforderungen zuzumuten, die ihnen neue Möglichkeiten
und Fähigkeiten eröffnen.
Im Gegensatz zum Konzept des "offenen Kindergartens", weitgehend ohne
feste Gruppen, arbeiten wir bewußt in einzelnen Gruppen, um wirklich jedes
Kind im Blick zu behalten.
6. Stuhlkreis
Zum Ende des Kindergartenvormittages finden sich die Kinder in einem Stuhlkreis
zusammen. Die Erzieherinnen sprechen mit den Kindern über die Erlebnisse
des Vormittags, es werden Geschichten vorgelesen, gemeinsam gesungen und gespielt.
Beendet wird der Vormittag in dieser Runde mit der Verabschiedung durch ein
Lied.
7. Bielefelder Screening / Würzburger Programm
Das Bielefelder Screening ist
ein erprobtes Verfahren zur Früherkennung von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten,
das bei Vorschulkindern zehn und/oder vier Monate vor Einschulung einsetzbar
ist. Das Testverfahren erlaubt die zuverlässige und objektive Erfassung
spezifischer Schriftsprachvoraussetzungen und ermöglicht sehr genaue Prognosen
für später auftretende Lese-Rechtschreibschwierigkeiten in den ersten
beiden Schuljahren.
In unserer Einrichtung führen wir mit allen Vorschulkindern diesen Test
durch.
Die Ergebnisse zeigen uns an, welchen Kindern die Förderung durch das sogenannte
"Würzburger Trainingsprogramm" gut tun würde.
Das "Trainingsprogramm zur phonologischen Bewußtheit" besteht
aus Spielen und Übungen zu sechs verschiedenen Bereichen (Z. B. Lauschspiele,
Reime, Buchstaben- und Wortspiele), die inhaltlich aufeinander aufbauen und
das Ziel verfolgen, dem Kind einen Einblick in die Struktur der gesprochenen
Sprache zu geben.
Das Trainingsprogramm wird nach Absprache mit den Eltern im letzten Kindergartenhalbjahr
in Kleingruppen von 4 - 8 Kindern durchgeführt und umfaßt einen Zeitrahmen
von täglich 10 Minuten.
Projekte der Gruppen
Aus den Beobachtungen im Vormittag,
Gesprächen und Lebensumständen der Kinder erschließen sich uns
Themen, die für die Kinder wichtig und interessant sind. Kinder sind keine
unbeschriebenen Blätter, sie bringen Erfahrungen mit, die ihr Tun beeinflussen.
Diese Erfahrungen fliessen bei der Erarbeitung eines Projektes mit ein. Gemeinsam
mit den Kindern werden Vorschläge, Anregungen und Wünsche gesammelt
und aufgeschrieben.
So ergeben sich in den einzelnen Gruppen, vor allem in der zweiten Hälfe des Kindergartenjahres, unterschiedliche Schwerpunkte, an denen wir mit den Kindern arbeiten, gestalten und entdecken. Denkbar sind aber zeitweilig auch Projekte für den ganzen Kindergarten, z. B. zu den Festen im Kirchenjahr wie Nikolaus, Ostern oder Weihnachten.
Projekte, so wie wir sie verstehen,
zeichnen sich durch bestimmte Merkmale aus:
· Sie werden von allen Beteiligten gemeinsam geplant. Die Kinder planen
selbstverständlich mit.
· Die Projekte sind handlungsoffen, das heisst es gibt keine starre Planung,
die sich an einem bestimmten Ergebnis orientiert, sondern sie sind von und mit
den Kindern während des Prozesses veränderbar.
· Das Ziel liegt in der Auseinandersetzung mit einer Thematik. Die Kinder
erhalten die Möglichkeit, ihre Fragen, Probleme, Interessen und Gefühle
zu verarbeiten. So helfen Projekte, den Lebensalltag zu bewältigen.
· Die Projekte sind zeitlich nicht fest eingegrenzt, die Dauer richtet
sich nach dem Interesse und der Beteiligung der Kinder.
· Innerhalb eines Projektes ist uns die Förderung der Kreativität
der Kinder besonders wichtig. Nach eigenen Vorstellungen etwas zu erarbeiten
setzt Denkprozesse und experimentelle Handlungsweisen in Gang.
· Projektarbeit setzt für uns auch eine gute Zusammenarbeit innerhalb
des Erzieherinnenteams voraus, der Austausch untereinander ist uns eine große
Hilfe, sich zum Projektthema sachkundig zu machen.
· Elternmitarbeit ist uns bei der Gestaltung von Projekten willkommen
und auch der Kontakt zu den anderen Kindergartengruppen soll intensiviert und
gepflegt werden.
· Nicht nur innerhalb des Kindergartens sondern auch im näheren
und weiteren Lebensumfeld der Kinder finden sich häufig interessante Aspekte
des Projektthemas, so daß für uns auch dazu gehört, den Kindergarten
zu verlassen und z. B. im Dorf, auf dem Bauernhof, in Betrieben... unsere Projekte
weiter zu verfolgen.
· Besonders interessant finden wir es, auch den Eltern und Besuchern
des Kindergartens unsere Projekte vorzustellen und zu präsentieren. Diese
Veröffentlichung - meist in Form einer Ausstellung mit Bildern und Fotos,
Arbeiten der Kinder und Texten zu unseren Erkenntnissen aus dem Projekt, oder
einem abschließenden Fest zu dem aktuellen Thema ist in den meisten Fällen
krönender Abschluß eines jeden Projektes
Feste im Jahreskreis
...sind für die Kinder
immer wieder Höhepunkte, die sie mit wachsender Freude erwarten. Sie sind
Ereignisse, die den Alltag durchbrechen und durch das gemeinsame Tun aller Kinder
wächst das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gruppe.
Erlebnistag im Kindergarten
Ein besonderer Tag für
die Kinder ist immer der "Erlebnistag".
Ausgehend von der Idee, die Fähigkeiten der einzelnen Erzieherinnen über
ihre Gruppe hinaus allen Kindern im Kindergarten zur Verfügung zu stellen,
entwickelten wir im Team das Modell des Erlebnistages.
Nach der Eingewöhnungsphase zu Beginn jedes neuen Kindergartenjahres beginnen
wir im zweiten Halbjahr mit den Erlebnistagen.
An diesem Tag versammeln sich alle Gruppen am Morgen. Jede Erzieherin hat für
diesen Tag eine Aktivität vorbereitet und stellt diese den Kindern vor.
Von Bewegungs- und Entspannungsübungen, Bilderbuchbetrachtungen, Kochen
oder Backen bis zu kreativen Angeboten ... ist jedes Mal eine interessante Auswahl
da.
Die Kinder können sich zwischen
den verschiedenen Angeboten frei entscheiden und treffen dabei mit Kindern aus
den anderen Gruppen zusammen.
Die Angebote dauern ungefähr eine Stunde und enden mit einem gemeinsamen
Frühstück der jeweiligen Gruppe.
Danach kehren die Kinder in ihre
eigene Gruppe zurück, um dort den Vormittag im Stuhlkreis abzuschließen.
Für die Kinder ist nach unserer Erfahrung dieser Tag ein Ereignis, auf
das sie sich immer wieder freuen.
Der Geburtstag und Namenstag
Das jährlich wiederkehrende
persönliche Fest ist der Geburtstag jeden Kindes. Dabei steht das einzelne
Kind im Mittelpunkt des Gruppengeschehens.
Alle gratulieren ihm und freuen sich mit ihm.
Im Morgenkreis beginnt die Feier mit Geburtstagslied und Geburtstagsbrief, auf den die Kinder immer gespannt warten, weil er für jedes Kind eine individuelle Überraschung enthält.
Das gemeinsame Frühstück am großen, schön gedeckten Tisch mit Geburtstagsstuhl, Kerzen und Kuchen oder einer anderen Leckerei gehören wie die "Geburtstagsrakete" und das "Hochleben lassen" zu den Ritualen, die die Kinder lieben, weil sie sich schon lange vorher darauf freuen können.
Natürlich bekommt jedes Geburtstagskind auch ein kleines Geschenk zum Abschluss des Festes im Kindergarten.
Auch der Namenstag der Kinder ist ein besonderer Tag:
Am Morgen gratuliert die Gruppe dem Namenstagskind, das eine Glückwunschkarte erhält, die auf seinen Namenspatron hinweist. Die Erzieherinnen sprechen ein besonderes Gebet zum Namenstag und zu Ehren des Heiligen.