"Die Welt verändert sich - wir auch"
Wer mit Kindern umgeht, hat sich sicherlich schon einmal die Frage gestellt, ob es wünschenswert sei, heute noch einmal Kind zu sein. Das Leben in unserer Gesellschaft wird für Kinder (und nicht nur für diese) immer unübersichtlicher, denn Lebensraum und Alltag haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten stark verändert:
Es verändern sich die Familienstrukturen.
Die Kleinfamilie mit einem Kind oder wenigen Kindern ist die Regel, Grossfamilien
mit mehreren Generationen unter einem Dach finden sich kaum noch.
Der Anteil der Kinder, die die Scheidung oder Trennung ihrer Eltern und häufig
die Wiederheirat bzw. Neuzusammensetzung einer Familie erleben, wächst
beträchtlich.
Insgesamt strahlen die Familien nicht mehr jene unbedingte Verlässlichkeit
und Konstanz aus, die Kindern Förderung und Halt bieten könnte.
Die heutigen Arbeitsbedingungen
nehmen Einfluss auf die Familien und damit auch auf das Leben der Kinder.
Der Umfang der Beschäftigungszeiten am Arbeitsplatz geht immer mehr zurück
- von 45 Wochenstunden 1960 bis zu gegenwärtig durchschnittlich 34 Wochenstunden.
Trotzdem stellen wir fest, dass fast alle Erwachsenen und auch bereits Kinder
heute über Zeitmangel klagen.
In immer mehr Familien sind heute beide Elternteile berufstätig. Dadurch
erleben Kinder Betreuung ausserhalb der Familie, z. B. bei einer Tagesmutter.
Sie lernen früh andere Bezugspersonen neben ihren Eltern kennen.
Es gibt in Deutschland eine wachsende Anzahl von Kindern, die in unsicheren
wirtschaftlichen Verhältnissen aufwachsen müssen. Eltern, die von
Arbeitslosigkeit betroffen sind, Familien, die auf Sozialhilfeleistungen angewiesen
sind, sind eine traurige Realität unserer Zeit.
Technik und Medien spielen im
Alltag eine immer grössere Rolle.
Fernsehen ist nach Spielen die zweitwichtigste Freizeitbeschäftigung geworden.
Bis zum 14. Lebensjahr verbringt ein Kind 14.000 Stunden in der Schule, aber
auch 18.000 Stunden vor dem Bildschirm.
Erfahrungen werden zunehmend aus zweiter Hand, nämlich aus dem übergrossen
Angebot der Medien gewonnen. Viele Kinder lernen die Welt nicht mehr über
die eigene Aktivität kennen. Fernsehsender und ihre Programme haben Einfluss
auf den Kinderalltag. Nicht nur zeitlich, sondern auch inhaltlich hinterlassen
Fernsehprogramme ihre Spuren im Erleben der Kinder.
Veränderte Spielräume
beeinflussen das Leben der Kinder.
Kinder wollen und müssen sich bewegen. So erobern sie sich Schritt für
Schritt ihre Umwelt, bauen soziale Kontakte auf und machen wichtige Erfahrungen
über sich selbst und ihren Körper.
Die zunehmende Motorisierung und Technisierung lassen unmittelbare Erfahrungen
immer weniger zu: die Gefahren des Strassenverkehrs beschneiden die Bewegungsräume
und vieles, was früher Arbeit und Anstrengung erforderte funktioniert heute
völlig mühelos auf Knopfdruck.
Freie Grundstücke, wie wir sie in unserer Kindheit noch hatten, auf denen
sich herrlich spielen ließ und die zum Treffpunkt aller Kinder der Wohngegend
wurden, gibt es immer weniger. Gepflegte Grünanlagen sind mit Regeln belegt
und öffentliche Spielplätze lassen wenig Raum für wirklich freies
Spielen, denn sie geben bestimmte Spielfunktionen vor. Selbst dort, wo es noch
Wald oder freie Wiesenflächen gibt, ist es den Kindern meist nicht möglich,
"so mal eben" hinauszugehen und dort eventuell andere Kinder zu treffen.
Die Lebensbedingungen der Kinder und Familien, wie wir sie heute vorfinden, unterscheiden sich sehr von denen, die wir Erwachsenen in unserer Kindheit gekannt haben. So ist es nicht verwunderlich, dass auch das Angebot unseres Kindergartens in der Gegenwart sich stark von dem Kindergartenalltag der siebziger Jahre, als die ersten Kindergartenkinder in unsere Einrichtung kamen, unterscheidet.
Aufgaben und Zielsetzung haben sich gewandelt.
Wir Erzieherinnen des Kindergartens St. Franziskus stellten uns mit der Erarbeitung dieser Konzeption der Aufgabe, unser Angebot und unsere pädagogische Arbeit im Hinblick auf die veränderten Bedingungen von Kindheit zu überprüfen.
Dabei stellen wir fest:
Kinder sind wunderbare Lehrmeister, die uns immer wieder zeigen: arbeitet an
euch, tut was, seid lebendig!
Das kann man von Kindern lernen, dieses Lebendig-Sein...